Kurzantwort
Niemand kann heute zuverlässig vorhersagen, zu welchem Zinssatz eine Immobilie in zehn oder fünfzehn Jahren weiterfinanziert werden kann. Für eine solide Investitionsrechnung sollte deshalb nicht nur mit dem heutigen Zinssatz gerechnet, sondern zusätzlich geprüft werden, ob die Immobilie auch bei einem deutlich höheren Anschlusszins noch finanziell tragbar wäre. Eine FAQ-Antwort ist ein guter Ausgangspunkt, doch im persönlichen Gespräch lässt sich Ihre Situation genauer einordnen.
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Nach Ablauf der Sollzinsbindung muss die dann noch vorhandene Restschuld zu den zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Konditionen weiterfinanziert werden. Steigt das Zinsniveau, kann dadurch die monatliche Belastung deutlich zunehmen.
Statt beispielsweise einfach 4 % für die Zukunft anzunehmen, ist es sinnvoller, mehrere Zinsszenarien zu berechnen.
Beträgt die Restschuld bei der Anschlussfinanzierung noch 250.000 Euro, ergeben sich bei 2 % anfänglicher Tilgung vereinfacht folgende Belastungen:
Der Unterschied zwischen 4 % und 6 % beträgt damit bereits rund 417 Euro monatlich.
Das ist keine Prognose, sondern eine bewusst vorsichtigere Kalkulation. Wer heute beispielsweise mit 4 % finanziert, kann zusätzlich prüfen, ob die Immobilie bei 5 % und 6 % Anschlusszins weiterhin problemlos tragbar wäre.
Je stärker während der ersten Zinsbindung getilgt wurde, desto kleiner ist der Betrag, auf den ein später möglicherweise höherer Zinssatz wirkt. Die Verbraucherzentrale nennt deshalb eine höhere Tilgung und längere Zinsbindung ausdrücklich als Möglichkeiten, das Zinsänderungsrisiko zu reduzieren.
Durch Tilgung sinkt die Restschuld. Entwickelt sich gleichzeitig der Immobilienwert stabil oder positiv, kann sich auch der Beleihungsauslauf verbessern und damit die Ausgangslage für spätere Finanzierungskonditionen günstiger werden.
Längere Sollzinsbindungen können mit etwas höheren Anfangszinsen verbunden sein, verringern aber das Risiko, bereits nach wenigen Jahren zu deutlich ungünstigeren Konditionen weiterfinanzieren zu müssen.
Für eine langfristige Kaufentscheidung ist deshalb weniger entscheidend, den zukünftigen Zinssatz möglichst genau vorherzusagen. Wichtiger ist die Frage: Bis zu welchem Zinssatz bleibt die Immobilie für den Anleger finanziell problemlos tragbar?
Ob die Zinsen in zehn Jahren bei 3 %, 5 % oder 7 % liegen, weiß heute niemand seriös.
Wir würden beispielsweise berechnen, wie sich der Cashflow bei 4 %, 5 % und 6 % Anschlusszins entwickelt und ab welchem Zinssatz der monatliche Eigenzuschuss unangenehm hoch wird.
Ein hoher Anschlusszins auf 100.000 Euro Restschuld kann wesentlich leichter verkraftbar sein als ein etwas niedrigerer Zinssatz auf 300.000 Euro Restschuld.
Es wäre uns zu optimistisch zu sagen: „Bis dahin sind die Mieten bestimmt entsprechend gestiegen.“ Mieterhöhungen sind rechtlich, marktseitig und politisch begrenzt und sollten deshalb nicht automatisch jede zukünftige Zinssteigerung kompensieren müssen.
Bis zum Ende der ersten Zinsbindung können die Restschuld gesunken, das Einkommen des Anlegers gestiegen und zusätzliche Liquiditätsreserven aufgebaut worden sein. Deshalb muss immer das Gesamtbild betrachtet werden.
Wer höhere Zinsschwankungen finanziell problemlos tragen kann, kann mehr Zinsrisiko akzeptieren. Wer bereits beim heutigen Zins sehr knapp kalkuliert, sollte aus unserer Sicht wesentlich vorsichtiger finanzieren.
Bei einer langfristig fremdfinanzierten Kapitalanlage ist für uns nicht entscheidend, ob die Finanzierung heute exakt aufgeht. Sie sollte auch bei einem deutlich höheren zukünftigen Zins noch beherrschbar bleiben.
Eine FAQ-Antwort ersetzt nicht das persönliche Gespräch – dort lassen sich Details, Prioritäten und Alternativen besser abwägen.
Verbraucherzentrale – Zinsänderungsrisiko und Anschlussfinanzierung
Dr. Klein – Sollzinsbindung und Anschlussfinanzierungsrisiko
vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, diesen Text zu lesen.
Bei weiteren Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung!
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